Du stehst am Beckenrand, die Brille sitzt perfekt, der Trainingsplan ist bereit. Aber dann siehst du ihn: die Nasenklammer. Ein kleines, seltsames Accessoire, das viele Schwimmer entweder mit grosser Skepsis betrachten oder als unverzichtbares Werkzeug verteidigen.
Die Frage ist berechtigt: Brauchst du dieses kleine Teil wirklich, um beim Kraulen effizient zu werden, oder ist es nur ein unnötiges Extra, das dich im Wasser wie ein Fremdkörper wirken lässt?
Das Problem: Das unwillkommene Wasser in der Nase
Das Hauptproblem beim Kraulen ist die Atmung. Wie wir schon bei der Technik der Kraulatmung besprochen haben, muss der Kopf zur Seite gedreht werden, um einzuatmen. Dabei ist die Nase der erste Punkt, der mit der Wasseroberfläche in Kontakt kommt.
Ohne Schutz passiert oft Folgendes:
- Wasser in der Nase: Ein kleiner Wellenschlag oder ein unsauberer Armzug lässt Wasser in die Nasenlöcher eindringen.
- Der «Reiz-Effekt»: Das Wasser in der Nase verursacht ein brennendes Gefühl oder einen Reiz, der einen Hustenanfall oder zumindest ein heftiges Niesen auslösen kann.
- Die Unterbrechung des Rhythmus: Sob das Wasser in der Nase ist, ist der Fokus weg. Du musst dich erst wieder sammeln, was deinen gesamten Atem- und Bewegungsrhythmus zerstört.
Die Argumente für die Nasenklammer
Wenn du merkst, dass dich das Eindringen von Wasser in die Nase regelmässig aus dem Training wirft, kann eine Nasenklammer die Lösung sein.
Vorteile:
- Konzentration auf die Technik: Du musst dir keine Gedanken mehr um die «Sicherheit» deiner Nase machen. Dein Fokus liegt voll und ganz auf dem Armzug und der Rotation.
- Keine Unterbrechungen: Ein sauberer, rhythmischer Atemzyklus bleibt erhalten, da das Wasser schlichtweg keine Chance hat, in die Atemwege zu gelangen.
- Ideal für Anfänger: In der Lernphase, in der die Koordination der Atmung noch instabil ist, bietet die Klammer eine enorme mentale Entlastung.
Die Argumente gegen die Nasenklammer
Es gibt jedoch auch gute Gründe, auf die Klammer zu verzichten – besonders, wenn du bereits fortgeschritten bist.
Nachteile:
- Eingeschränktes Gefühl: Viele Schwimmer empfinden die Klammer als störend oder als Fremdkörper, der das natürliche Gefühl für das Wasser beeinträchtigt.
- Herausforderung für die natürliche Atmung: Das Ziel des Kraulens sollte es sein, die Atmung so zu kontrollieren, dass kein Wasser in die Nase gelangt. Die Klammer bekämpft nur das Symptom, nicht die Ursache (die Technik).
- Druckstellen: Bei längeren Trainingseinheiten kann der Druck der Klammer auf den Nasenrücken unangenehm werden oder sogar kleine Druckstellen verursachen.
Mein Tipp für dich
Die Entscheidung hängt stark von deinem aktuellen Trainingsstand ab.
- Bist du noch in der Lernphase? Dann ist eine Nasenklammer ein hervorragendes Hilfsmittel! Sie nimmt dir den Stress und hilft dir, dich rein auf die Koordination von Armzug und Kopfrotation zu konzentrieren.
- Bist du bereits fortgeschritten? Dann solltest du versuchen, die Nasenklammer abzulegen. Dein Ziel sollte es sein, eine so saubere Technik zu entwickeln, dass das Wasser gar nicht erst in deine Nase gelangen kann. Nutze die Klammer nur als «Training wheels», um die Technik zu festigen.
Fazit: Die Nasenklammer ist ein nützliches Werkzeug, aber kein Dauerbegleiter für Profis. Nutze sie, um deine Technik zu perfektionieren, aber strebe langfristig die volle Kontrolle über deine Atmung an!
Viel Erfolg beim nächsten Training!
